Geschichte und Entwicklung der Straße
Namensgeschichte
Die historische Verbindung nach Holstein
Die Alte Holstenstraße bildet seit Jahrhunderten eine der wichtigsten Verkehrsadern Bergedorfs. Als zentrale Verbindungsstraße führte sie von jeher in Richtung Holstein und verband den Bergedorfer Stadtkern mit den umliegenden Gebieten. Der Name verweist dabei deutlich auf ihre ursprüngliche Funktion als Hauptroute ins Holsteinische. Bereits im Mittelalter diente die Straße als Handelsweg, über den Kaufleute ihre Waren zwischen den Elbmarschen und dem holsteinischen Hinterland transportierten. An der Kreuzung mit der Bundesstraße 5 – der großen Fernverkehrsroute von Hamburg nach Berlin – entstand so ein natürlicher Knotenpunkt des regionalen Handels.
Historisch trug die Straße im Bergedorfer Abschnitt den Namen Holstenstraße, während der Lohbrügger Teil als Große Straße bekannt war. Diese Aufteilung spiegelte die damals noch getrennte Entwicklung der beiden Stadtteile wider. Im Süden mündete die Straße in den Bergedorfer Markt, der über Jahrhunderte das wirtschaftliche und gesellschaftliche Zentrum der Stadt bildete.
Die Alte Holstenstraße in Bergedorf - historische Hauptverkehrsader nach Holstein
Dunkles Kapitel: Die NS-Zeit
Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde die Straße zwischen 1937 und 1945 in Hermann-Göring-Straße umbenannt – ein Zeugnis der systematischen Umbenennungspolitik jener Jahre. Nach Kriegsende erfolgte bereits am 1. Oktober 1945 die Rückbenennung, allerdings erhielt sie nun den Zusatz "Alte", um sie von anderen Holstenstraßen zu unterscheiden.
Im Amtlichen Anzeiger Nr. 55 vom 25. Oktober 1945 wurde diese Änderung offiziell verkündet. Eine weitere Anpassung fand am 15. Februar 1949 statt, dokumentiert im Amtlichen Anzeiger Nr. 33 vom 26. Februar 1949.
Bedeutende Orte entlang der Straße
Die Straße war nicht nur Verkehrsweg, sondern über Jahrhunderte auch Schauplatz des öffentlichen Lebens. Märkte, Handwerksbetriebe und Gasthäuser reihten sich entlang der Holstenstraße aneinander. Durch die Lage an der Bille und die Nähe zum Bergedorfer Schloss entwickelte sich der Straßenzug zu einem der wirtschaftlich bedeutendsten Orte im gesamten Landgebiet. Die folgende Auswahl zeigt einige der markantesten Gebäude und Denkmäler, die bis heute an diese Zeit erinnern.
Das zweite Holstentor (bei Hausnummer 66) – Von 1601 bis 1816 stand hier eines der historischen Stadttore Bergedorfs. Bei späteren Bauarbeiten wurden Fundamentreste dieses bedeutenden Bauwerks freigelegt. Heute erinnern Gedenksteine in einer kleinen Parkanlage zwischen Serrahnwehr und einem Fachwerkbau an dieses verschwundene Tor.
Die Bergedorfer Bank (Hausnummer 69) – Das markante Gebäude wurde 1904 eigens für die Bergedorfer Bank errichtet. Bei der Restaurierung 1984 kam besondere Handwerkskunst zum Einsatz: 56 verschiedene Fassadensteine wurden in unterschiedlichen Formen und Farben speziell nachgebrannt. Eine moderne Erweiterung zur Ernst-Mantius-Straße erfolgte 1999/2000.
Historische Fachwerkhäuser (Hausnummern 82 und 84) – Diese beiden Gebäude zählen zu den ältesten erhaltenen Bauwerken der Straße. Das Haus Nr. 82 stammt aus dem 17. Jahrhundert und diente von 1635 bis 1959 als Bäckerei und später Konditorei Herzberg. Schmiedeeiserne Verzierungen nach Entwürfen von Max Lobusch aus dem Jahr 1957 erinnern noch heute an diese Tradition. Das Nachbarhaus Nr. 84, dessen Ursprünge auf 1713 zurückgehen, stand bereits 1662 urkundlich als Brauhaus und Kornbrennerei verzeichnet.
Die Kornwassermühle (Hausnummer 86) – Bereits 1208 entstand hier am neu angelegten Billestaudamm eine herrschaftliche Kornwassermühle mit drei freistehenden Wasserrädern. Nach Beschädigung während der Franzosenzeit wurde 1839 ein einstöckiger Neubau errichtet, der 1868 aufgestockt wurde. Der historische Bau wich 1974 einem Neubau in Pseudo-Fachwerk.
Moderne Entwicklungen
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wandelte sich die Alte Holstenstraße von einer Durchgangsstraße zu einer belebten Geschäftsstraße. Die Umgestaltung zur Fußgängerzone im Jahr 1985 markierte einen Wendepunkt: Der Abschnitt zwischen Bergedorfer Markt und Eisenbahntunnel wurde für den Autoverkehr gesperrt und den Fußgängern zurückgegeben. Besonders der Lohbrügger Abschnitt entwickelte sich in den folgenden Jahren zum lokalen Einkaufszentrum mit zahlreichen Geschäften, Cafés und Dienstleistern. Bei Hausnummer 32 am Ludwig-Rosenberg-Ring steht seit 1994 eine dreiteilige Skulpturengruppe von Professor Rolf Thiele, die den südlichen Bereich der Fußgängerzone markiert.
Am Marktkauf-Center befindet sich seit 1989 eine Kopie der Wappentafel des ehemaligen dänischen Zollhauses in Alt-Sande, das von 1838 bis 1971 an dieser Stelle stand. Das Original wird heute im Bergedorfer Museum aufbewahrt.
Eine bedeutende Verbesserung für Fußgänger brachte das Jahr 2010: Am 3. Dezember wurde der erneuerte Fußweg- und Straßenbereich unter dem Eisenbahntunnel als "Boulevard Lohbrügge" mit einer 20-km/h-Zone freigegeben. An den Tunnelwänden installierte man helle Flächen für Bildprojektionen, die den Durchgang aufwerten und optisch aufhellen.
Heute zählt die Alte Holstenstraße zu den meistfrequentierten Einkaufsstraßen im Bezirk Bergedorf. Die Mischung aus inhabergeführten Fachgeschäften und Filialen größerer Ketten prägt das Straßenbild. Regelmäßige Wochenmärkte und saisonale Veranstaltungen beleben die Fußgängerzone zusätzlich. Wer die Straße und ihre Umgebung auf eigene Faust erkunden möchte, findet im historischen Stadtrundgang eine Übersicht der wichtigsten Stationen.
Verbindungen zu anderen Straßen
Die Alte Holstenstraße verbindet verschiedene bedeutende Plätze und Straßen des Stadtteils. Zu den wichtigen Kreuzungspunkten gehören der Herzog-Carl-Friedrich-Platz sowie der Johann-Adolf-Hasse-Platz, der am 24. Mai 2005 durch Teilumbenennung eines Straßenabschnitts entstand.
Als Teil des historischen Straßennetzes spiegelt die Alte Holstenstraße bis heute die städtebauliche Entwicklung Bergedorfs wider – von der mittelalterlichen Handelsroute über die Industrialisierung bis zur modernen Einkaufsmeile. Weiterführende Informationen zum Bezirk Bergedorf bietet das Bezirksamt Bergedorf.